1736 - Chronik einer Kopfgeldjagd

Veröffentlicht am 12. Juni 2026 um 12:58

Autor: David Petry
Genre: Historischer Roman
Verlag: Nürnberger Presse
Seiten: 250
Sterne: 4,5/5

Wir wollen doch einfach nur überleben...

Agnes und Andreas Roß sind die Anführer einer großen Räuberbande im heutigen Süddeutschland. Nachdem sie inhaftiert wurden, bricht Andreas aus, denn er hat keine Chance mehr auf Gnade. Doch die Kinder sowie die schwangere Agnes lässt er zurück. Der Stallknecht versucht herauszufinden, was Agnes weiß, doch es gibt ein Gesetz: Schwangere und Kinder dürfen nicht gefoltert werden. Doch wo fängt Folter an und wo hört sie auf? Das ist Auslegungssache des Beraters des Grafen. Dieser hat freie Hand, um dafür zu sorgen, dass der Graf nicht lächerlich gemacht wird. Wie wird dieser Kampf ausgehen?

Dieses Buch ist ein Roman, der auf wahren Fakten basiert, aber auch fiktive Teile enthält, da die Quellenlage Lücken aufweist. Die echten Quellen hat der Autor jedoch mit eingebracht, und es ist faszinierend, das Buch zu lesen. Wir erleben diese Menschenjagd aus der Sicht von Agnes und dem Geheimrat sowie aus der Sicht seines Assistenten. Was wird die Macht mit dem Assistenten machen? Wird er sich treu bleiben? Wie sind Agnes und Andreas zu dem geworden, was sie waren, und wie ist der Geheimrat so brutal und gewaltliebend geworden? Das wird hier ebenfalls erzählt. Obwohl das Buch eine sehr große Schrift hat und „nur“ 250 Seiten umfasst, passiert hier unglaublich viel, und die Situationen werden sehr gut beschrieben. Es ist echt mal etwas anderes. Besonders Spaß gemacht hat mir zu erleben, wie die Grafschaften versucht haben, sich gegenseitig auszuspielen und dennoch zusammenzuarbeiten. Außerdem zeigt der Autor, dass er davon ausgeht, dass eigentlich Agnes der planende Kopf war. Er schildert Situationen, die für die Jagenden schiefgingen, weil sie die Frauen ignorierten und sich nur auf die Männer konzentrierten.

Wer Lust hat, durch das Süddeutschland des 18. Jahrhunderts zu reisen und dabei zwischen Fiktion und echten Quellen zu wechseln, sollte sich das Buch holen. Ich kann es einfach nur empfehlen.

 

 

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